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So begeistern technische Details Urlauber

Führungen durch Meyer Werft, Emsflower, Coppenrath und Co. werden immer beliebter


15.05.2018

Meppen, 15.05.2018 – Von wegen nur faul am Strand liegen. Immer mehr Urlauber nutzen die Freizeit, um neue Einblicke zu gewinnen und sich mit Themen zu beschäftigen, für die im Alltag keine Zeit bleibt. Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet gibt es einige solcher Besucherattraktionen, die jährlich mehrere Hunderttausend Besucher anlocken. Allein durch die Meyer Werft im Emsland strömen inzwischen mehr als 250.000 Touristen im Jahr, knapp dahinter folgt als Publikumsrenner Emsflower, wo Roboterhände in Sekundenschnelle jedes Jahr eine halbe Milliarde Pflanzen in Töpfchen stecken. Aber auch  Coppenrath Feingebäck lockt Besucher, denn sie können erleben, wie Plätzchen in Rekordgeschwindigkeit gebacken werden. Hier eine Übersicht über besuchbare Produktionsfirmen im Emsland und Sehenswürdigkeiten, die technisches Wissen vermitteln.  

Die Meyer Werft (www.meyerwerft.de) wurde 1795 gegründet und befindet sich in siebter Generation im Familienbesitz. 3.300 Mitarbeiter bauen hier die größten Kreuzfahrtschiffe in Lego-Manier zusammen. Die einzelnen Schiffsteile werden dann „einfach“ zusammengefügt. Von den 20 Werften in Papenburg hat nur die Meyer Werft bis ins 21. Jahrhundert überlebt. Zwischen den beiden Weltkriegen baute die Werft vor allem Fischdampfer, Lotsenschiffe und Feuerschiffe sowie Passagierschiffe für die Küstenfahrt. 1960 erfolgte der Einstieg in den Gastankerbau und 1964 wurde mit der MALMÖ die erste RoRo-Fähre (von englisch Roll on Roll off) in Papenburg abgeliefert. Inzwischen schauen mehr als 250.000 Besucher jährlich den Werftarbeitern bei der Arbeit zu, wie Kreuzfahrtriesen für AIDA und Co. gebaut werden.

Bei Emsflower (www.emsflower.de), Europas größter Topf- und Beetpflanzengärtnerei, stecken Roboterhände jährlich eine halbe Milliarde winzige Sämlinge in Rekordgeschwindigkeit in Töpfchen mit Blumenerde. Die Pflanzen werden in den kilometerlangen Glashallen von automatisch gesteuerten Transportwagen hin- und hergefahren. Sind sie groß genug, werden sie europaweit an Discounter und Baumarktketten verkauft. All das sehen Besucher aus nächster Nähe, die auch durch einen Tropengarten, ein Schmetterlingshaus und Schaugewächshaus schlendern können und von den Tomaten-, Gurken- und Paprikastauden naschen können. Auch Nachhaltigkeit wird bei Emsflower großgeschrieben: es gibt ein Holzkraftwerk, das über 8.000 Megawatt Ökostrom im Jahr produziert und mit der Abwärme die Gewächshäuser heizt. Zur Bewässerung wird ausschließlich Regenwasser eingesetzt und die Schädlingsbekämpfung wird weitgehend natürlich gehalten.

Von wegen „kleine Brötchen“. Bei Feinbäcker Coppenrath (www.coppenrath-feingebaeck.de) verlassen täglich bis zu 120 Tonnen Backwaren das Firmengelände. Das 1825 gegründete Familienunternehmen beschäftigt in sechster Generation 300 Mitarbeiter. Die Produkte werden noch heute nach Original-Rezepten von damals hergestellt und in über 60 Länder weltweit exportiert. In der „Schulbäckerei“ können Gäste Kekse herstellen und natürlich auch naschen.

Im Schloss Clemenswerth (www.clemenswerth.de), der weltweit einzig erhaltenen Alleensternanlage aus der Barockzeit, verschwinden die acht Gästepavillons wie von Zauberhand, wenn sich Besucher im Speisesaal des Zentralpavillons direkt in die Mitte des Raums stellen. Dann ist nur die üppige Natur zu sehen durch die Fenster. Gehen die Urlauber einen Schritt nach links oder rechts – schwups – sind acht Gebäude wieder da. Diese architektonische Meisterleistung bewundern jedes Jahr tausende Besucher. In den Jahren 1737 bis 1747 ließ sich Kurfürst Clemens August von seinem Münsteraner Architekten Johann Conrad Schlaun diese Prachtanlage auf dem Hümmling erbauen. In den Pavillons gibt es verschiedene Ausstellungen zu den Themen barocke Jagd, Clemens August und Deutscher Orden, zu Porzellan, Straßburger Fayencen und moderne zeitgenössische Keramik. Die auf 42 Hektar angelegte Waldparkanlage mit Teichanlage sowie Klostergarten lädt Besucher zum Spaziergang ein.

Das Emsland Moormuseum in Geeste-Groß Hesepe (www.moormuseum.de) zeigt anschaulich die Aufsiedlung der Moore im 18. und 19. Jahrhundert sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen der früheren Siedler. Mit dem Ende der Kultivierungsarbeiten im Rahmen des sogenannten Emslandplanes blieben in den 1970er Jahren Großgeräte der Firma Ottomeyer, wie Dampflokomobilen, Tiefpflüge und Planierraupen, im Emsland zurück. Die Maschinen hatten mit dem Abschluss der Erschließungsarbeiten in dem ehemals größten Hochmoor Europas ausgedient – der Grundstein des heutigen Museums war gelegt. Heute werden die Gerätschaften – darunter der weltgrößte Tiefpflug „Mammut“ ausgestellt.

Das Krone Museum für Landtechnik in Spelle (www.krone.de) zeigt Landmaschinen aus der 110-jährigen Geschichte der Maschinenfabrik. Aus einer einfachen Schmiede, die 1906 gegründet wurde, entwickelte sich die Maschinenfabrik Bernard Krone, die Landmaschinen in über 40 Länder exportiert. Die ersten Gerätschaften wurden ab Mitte der 1920er Jahre in kleinen Serien hergestellt. Zusätzlich wurden Maschinen und Traktoren verkauft. Täglich verlassen bis zu 150 Landmaschinen die riesigen Produktionshallen, in denen fast haushohe Maschinen wie der Feldhäcksler „BiG X“ gefertigt werden.

Die „Straße der Megalithkultur“ [griechisch: mega = groß, lithos = Stein] verläuft auf 330 Kilometern von Osnabrück, Lingen und Meppen über Cloppenburg und bis nach Oldenburg. Entlang dieses Weges gibt es mehr als 70 Großsteingräber, die aus der Jungsteinzeit (etwa 3500-2800 vor Christi Geburt) stammen. An 33 spannenden archäologischen Stationen werden Gräberfunktion und Konstruktion, Jenseitsvorstellungen, Naturverständnis und das Alltagsleben von Menschen, die vor über 5.000 Jahren in Nordwestdeutschland gelebt haben, thematisiert. Die Ferienstraße führt zu bronze- und eisenzeitlichen Grabhügelgruppen aus jüngerer Zeit (www.strassedermegalithkultur.de).

Die Kanne Rösterei in Heede (www.zuvielkaffee.de) liebt und lebt Kaffee in allen Variationen. Denn: Jeder Kaffee hat seinen eigenen Charakter. Wie der Kaffee am Ende seines Prozesses und seiner Herstellung schmeckt, hängt ab von der Beschaffenheit des Bodens und dem Klima. In der „gläsernen Rösterei“ erlaubt der Röstmeister das Zuschauen bei der Verarbeitung des Rohkaffees von kleinen Bio-Farmen aus Mexiko, Peru oder Papua Neuguinea zu Kaffees namens „Sleepless“, „Ordinary Madness“ oder „Heart Knock Life“.  

Im Bagger-Park Emsland (www.bagger-park.de) heißt es: „Betreten der Baustelle erlaubt!“. Hier dürfen Besucher sich ihren Kindheitstraum erfüllen und kleine (1,5 Tonnen) und wirklich große Bagger mit bis zu 21 Tonnen bewegen. Des Weiteren im Angebot: Wett- und Geschicklichkeitsbaggern, individuelle Gruppen- und Familienangebote sowie Geländefahrten mit Quads und Jeeps für Kinder und Erwachsene. Ein Spielplatz und das „Bagger-Bistro“ mit Sonnenterrasse runden das Angebot ab.

Die Private Kornbrennerei H. Heydt (www.heydt.de) gehört zu den traditionsreichsten Herstellern deutscher Spirituosen. Gegründet 1860 in der Korn- und Hansestadt Haselünne, wird das Familienunternehmen mittlerweile in der fünften Generation von der Familie Heydt geführt. Tradition verbindet sich mit modernster Technik, wenn Kornbrände und andere hochwertige Spirituosen entstehen und reifen.

Das Landhaus-Brauerei Borchert (www.landhaus-brauerei.de) startete als private Leidenschaft: Quasi aus einer Bierlaune heraus begann Ewald Borchert Ende der achtziger Jahre damit, eigene Biere zu brauen. Aus den ersten Versuchen von damals entwickelte sich mit viel Engagement und Sachverstand das heutige Emsländer Brauhaus in Lünne. Alles wird noch per Hand vom Brauer gesteuert, gemessen und verarbeitet – und nicht vom Computer. Die Rohstoffe kommen von kleinen Familienunternehmen aus dem Frankenland und vom Bodensee. Die Biere lagern etwa sechs Wochen, bis sie braufrisch abgefüllt werden. Wasser, Malz, Hopfen und Hefe und sonst nichts – getreu nach dem deutschen Reinheitsgebot werden „Emsländer-Pilsener“, „Emsländer Braunes“ und weitere saisonale Spezialitäten hergestellt. Armbrustschießen, der „Bierathlon“ sowie Bier- und Brauseminare ergänzen das Angebot.  
Die Hüvener Mühle ist die einzige in Niedersachsen noch erhaltene kombinierte Wind- und Wassermühle. Sie wurde erstmals 1534 urkundlich erwähnt. Nach einem Brand im Jahr 1801 wurde die Wassermühle wieder vollständig aufgebaut. Bis in die 1930er Jahre war der Kornmühle noch eine Öl- und Walkemühle angeschlossen. Angetrieben wurden die Mühlen durch das aufgestaute Wasser der Mittelradde – diese allerdings führte in regenarmen Zeiten nicht genug Wasser, um das Wasserrad permanent anzutreiben. So entstand die Idee, eine Windmühle zu konstruieren, die auf das bestehende Wassermühlengebäude aufgesetzt wird.