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Im Urlaub ins Atomkraftwerk

Wo kommt der Strom her, bevor er aus der Steckdose kommt?


26.06.2018

Meppen, 26.06.2018 – Ohne Strom läuft im wahrsten Sinne des Wortes rein gar nichts. Kein Computer, keine Straßenbahn, kein Kühlschrank, kein Lift. Einkaufen oder das Auto volltanken fällt ebenfalls flach, da Türen, Kassensysteme und Benzinpumpen auch Strom benötigen. Etwas mehr als 7.000 Kilowattstunden Strom verbraucht jeder Bürger in Deutschland statistisch gesehen Jahr für Jahr. Gewonnen wird Strom hierzulande aus Braunkohle, Kernenergie, Steinkohle, Erdgas, Öl, Windenergie, Wasserkraft, Biomasse, Photovoltaik und Müllverbrennung. Nach dem Bundesregierungsbeschluss von 2011 fällt im Jahr 2022 Atomkraft allerdings als Energielieferant weg. Bis dahin werden die letzten der insgesamt sieben noch aktiven Atomkraftwerke stillgelegt. Der energiehungrige Süden der Bundesrepublik erhält viel Strom aus dem Norden des Landes. An der deutsch-niederländischen Grenze wird viel Strom für den Rest des Landes produziert. Urlauber können Strom-Produktionsstätten im Emsland besuchen, darunter das Atomkraftwerk (AKW) in Lingen, aber auch Windkraft-, Sonnenenergie-, Wasserkraft- und Biomasse-Anlagen. Informationen zu den Produktionsstätten in der Region gibt es unter www.emsland.info oder www.emsland.de.

 

Das AKW (Am Hilgenberg 3, 49811 Lingen, Tel. 0591-8061611) produziert jährlich rund elf Milliarden kWh Strom und versorgt damit etwa 3,5 Millionen Haushalte mit Strom. Über 3.500 Gäste besuchen das AKW jährlich und erhalten Einblicke in Energieversorgung, Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltschutz. Besucher müssen sich anmelden (kostenfreie Hotline: 0800-8833830) und einen Personalausweis zur Führung mitbringen, die drei Stunden dauert.

 

Das Dorf Vrees (Werlter Str. 9, 49757 Vrees, Tel. 04479-94840) mit seinen 1.800 Einwohnern war 1997 eines der ersten in Niedersachsen, die anfingen, Strom und Energie selbst zu erzeugen. Begonnen wurde zunächst mit einer Holzhackschnitzelanlage. Bis heute kamen sieben Windkraftanlagen und 206 Photovoltaikanlagen sowie zwei Biogasanlagen mit zwölf Satelliten-Blockheizkraftwerken hinzu, die rund um die Uhr Strom produzieren. Gefüttert wird die Biogasanlage mit eigens angepflanzten Gräsern und Mais. Durch die Biowärme werden bis zu 400 Tonnen CO² pro Jahr eingespart. Die Bemühungen wurden belohnt: Vrees wurde 2013 offiziell als Bioenergiedorf ausgezeichnet und erhielt 2016 den mit 2000,00 € dotierten niedersächsischen Klimaschutzpreis.

 

Die Samtgemeinde Lathen (Erna-de-Vries-Platz 7, 49762 Lathen, Tel. 05933-660) hat große Pläne. Bis zum Jahr 2025 sollen 70 Prozent der 893 Haushalte komplett mit Wärme aus erneuerbaren Quellen versorgt werden. In Vorbereitung befindet sich bereits ein Geothermieprojekt, dem ein Kraftwerk mit Wärmenutzungskonzept angegliedert wird. Das Konzept wurde vom Bundeslandwirtschaftsministerium als Bioenergiedorf ausgezeichnet. Derzeit wird das Stromnetz mit einem Mix aus Windkraft, Fotovoltaik und Biomasse sowie einem Holzheizkraftwerk betrieben.

 

Die Biogasanlage Raming (Haarweg 1, 49744 Geeste-Osterbrock, Tel. 05907-959942, www.raming-biogas.de) ist eine von bundesweit 9.000 Anlagen. Hier wird gezeigt, wie Energie unter anderem aus Pflanzen gewonnen wird – rund 680 kW werden so produziert. Alle Biogasanlagen in Deutschland zusammen produzieren gar 4.000 MW pro Jahr; damit können circa neun Millionen Haushalte versorgt werden und es werden um die 21 Millionen Tonnen CO² eingespart. Das Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk zu Strom und Wärme umgewandelt. 80 Prozent der Substrate und Biomasse für die Anlage in Geeste entstammen dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb; die anfallenden Gärreste werden als Pflanzendünger überwiegend auf den eigenen Flächen eingesetzt.